

THERMOSTATE
RICHTIG MONTIEREN:
Fehler vermeiden, Schäden verhindern.
EXPERTEN TIPP VON METZGER AUTOTEILE

Steve Kistner
Technik-Experte
Thermostat-Typen und ihre Funktionsweise.

Wachselement-Thermostat
Das klassische Wachselement-Thermostat arbeitet rein mechanisch
und benötigt keine elektrische Ansteuerung. Im Inneren befindet sich ein spezielles Dehnstoffwachs. Erwärmt sich das Kühlmittel auf eine fest definierte Temperatur, je nach Auslegung beispielsweise 85, 87, 90
oder 92 °C, dehnt sich das Wachs aus, drückt gegen einen Kolben
und öffnet damit das Ventil – schlicht, robust und seit Jahrzehnten bewährt.

Kennfeldthermostat
Eine Weiterentwicklung des Wachselement-Thermostats ist das
Kennfeldthermostat. Das Grundprinzip bleibt dasselbe, allerdings sitzt im
Wachselement zusätzlich ein elektrischer Heizwiderstand. Das Motorsteuergerät
kann diesen Heizwiderstand per PWM-Signal ansteuern und das Wachselement
gezielt erwärmen. Die so künstlich im Thermostat erhöhte Temperatur zwingt es
zum Öffnen, noch bevor das Kühlmittel seinen eigentlichen Schaltpunkt erreicht.
Bei hoher Last – etwa auf der Autobahn – kühlt das System den Motor damit
präventiv auf rund 80–85 °C. Im Teillastbetrieb hingegen lässt das Steuergerät
den Motor bewusst heißer laufen, bis zu 105–110 °C, wodurch Reibungsverluste
reduziert und der Kraftstoffverbrauch gesenkt werden können.

Thermomanagementmodul mit Drehschieberregler
Am technisch anspruchsvollsten sind Thermomodule mit
Drehschieberregler. Hier gibt es kein klassisches Ventil mehr – stattdessen
steuert ein elektrisch angetriebener, rotierender Drehschieber mehrere
Kühlkreisläufe gleichzeitig: Zylinderkopf, Motorblock, Innenraumheizung
sowie je nach Fahrzeug Getriebeöl oder weitere Nebenaggregate.
Ein entscheidender Vorteil ist die sogenannte Null-Fluss-Phase beim
Kaltstart, bei der das Kühlmittel vollständig stillsteht, um den Motor
möglichst schnell auf Betriebstemperatur zu bringen.

Häufige Fehlerquellen
Mechanische Thermostate besitzen ein kleines Entlüftungsventil, erkennbar an einer lose sitzenden Kugel, einer Bohrung oder – je nach Konstruktion – einer Kerbe im Ventilteller. Es muss zwingend so eingebaut werden, damit Luft nach oben entweichen kann.
Bei verdrehter Montage kann eine Luftblase am Dehnstoffelement entstehen, sodass das Thermostat verspätet oder gar nicht öffnet.
Bei Thermostaten mit Gummi-Formdichtung darf keine zusätzliche Silikon-Dichtmasse verwendet werden. Überschüssiges Material quillt nach innen, härtet aus, reißt ab und kann den Ventilmechanismus oder feine Bohrungen eines Kennfeldthermostats blockieren. Da Thermostatgehäuse aus Kunststoff bestehen, sind die vorgeschriebenen Anzugsmomente einzuhalten. Zu fest angezogene Schrauben verursachen Haarrisse, die oft erst Wochen später unter thermischer Belastung undicht werden.

Gefahren durch mangelhafte Entlüftung
Bleibt nach dem Befüllen eine Luftblase am Thermostatgehäuse zurück, fehlt dem Wachselement der thermische Kontakt zum heißen Kühlmittel, da Luft Wärme schlechter leitet. Der Motor überhitzt und der Temperaturzeiger wandert in den roten Bereich, während das Thermostat geschlossen bleibt, weil es das Kühlmittel als kalt wahrnimmt.

O-Ringe sollten vor
dem Einbau mit frischem
Kühlmittel benetzt werden,
damit sie nicht verkanten
oder reißen.

Noch gefährlicher sind Luftblasen
im Zylinderkopf: Sie erzeugen lokale
Überhitzungspunkte, an denen Kühlmittel
zu kochen beginnt. Die Dampfblasen
kollabieren (Kavitation) und können
Oberflächen an der Zylinderkopfdichtung
oder im Aluminiumkopf dauerhaft
zerstören. Elektronische Drehschieber
und Kennfeldthermostate sind anfällig, da
sie Kühlmittel teilweise auch zur internen
Schmierung des Stellmotors benötigen.
Läuft das System trocken, drohen
dauerhafte Schäden oder ein Ausfall.
Praxis-Tipp für Werkstätten
Bei Arbeiten am Kühlkreislauf moderner Fahrzeuge empfiehlt sich ein Vakuum-Befüllgerät. Es evakuiert das gesamte System und zieht das Kühlmittel nahezu blasenfrei ein. Je nach Herstellervorgabe sollte anschließend die Entlüftungs- routine per Diagnosetester erfolgen. Nur so werden alle elektrischen Ventile und Drehschieber vollständig geöffnet und Restluft entfernt. Geeignetes Kühlmittel verwenden.






Entlüftung
nach oben
Keine zusätzliche
Silikondichtmasse
verwenden
Anzugsdreh-moment
beachten
O-Ringe
benetzen
Vakuum
Befüllung
empfohlen


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